Auch Hunde gehen arbeiten

Working Dogs - Hunde mit Berufen

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Aber Hunde können noch viel mehr als das. Sie werden in vielen Bereichen eingesetzt, wie bei der Polizei, in der Therapie oder als Blindenhund. Lesen Sie hier einige Beispiele.

Working Dogs © animals-digital.de
Hunde mit wichtigen Berufen.
Hier stellen wir Ihnen vier besondere Hunde aus Köln vor.
Text und Bilder: 
Christoph Hardt

Schutzhund Dunja



Ihr Revier ist der Kölner Untergrund, der Flughafen, die Station im Seniorenheim oder einfach nur der Weg zur Post – die Rede ist von sogenannten „Working Dogs“: Gebrauchshunden, die täglich in der Stadt einem Job nachgehen. Nur für Kost und Logis aber aus freien Stücken: „Hunde wollen gefordert werden“, erzählt Karsten Berghaus, Hundeführer der Kölner Adlerwache. An seiner Seite Rottweiler-Dame „Dunja“ (3). Das 45-Kilo-Kraftpaket, das in den Pausen um jede Streicheleinheit kämpft, beweist täglich im Einsatz für die KVB ein dickes Fell: „Skateboards, Rollstühle, lärmende Kinder – es ist eine Vielzahl an Eindrücken, die auf den Hund einprasseln“, erzählt Berghaus, „doch da hat sie ein Gemüt wie ein Fleischerhund.“ Denn Dunja ist ausgebildete Schutzhündin, wurde von der Welpenstube an über Spiel- und Futtertrieb, später über Wach- und Beutetrieb darauf geschult, aufs Wort zu gehorchen. Auf 8-Stunden-Schichten, etwa zu Silvester, den Kölner Lichtern oder FC-Spielen, wenn sich gröhlende Massen auf den Gleisen drängeln, sie provoziert wird oder mit Bier bespritzt, Schreie und Gestank in der Luft liegen, beißt sie sich durch, und zwar ganz ohne Zähne: Denn den Maulkorb musste Berghaus ihr bisher noch nie abziehen. „In einer Notwehr-Situation könnte ich sie aber mit einem einzigen Kommandowort scharf machen“, erzählt er. Deshalb gelte Dunja vor dem Gesetz trotz ihrer Verschmustheit auch als Waffe.
 

Drogen-Spürhund Sally



Eine „Geheimwaffe“ der anderen Art ist Sally (6). Die Labrador-Hündin schnüffelt auf dem Köln-Bonner Flughafen pro Schicht das Gepäck von bis zu vier Maschinen aus „drogensensiblen Ländern“ ab. Als ausgebildeter Spürhund für Drogen kommen ihr dabei ihre 220 Millionen Riechzellen zugute. „Egal ob Heroin, Kokain oder geruchsintensive Stoffe wie Marihuana - sie findet alles“, weiß Zoll-Obersekretär Thomas Kienzelmann. Letztes Jahr sogar mal Opium in einer Maschine aus dem Iran. Der Trick: Sally sucht gar nicht wirklich nach Drogen, sondern nur ihren heißgebliebten „Balli“. Schon in den zolleigenen Hundeschulen bei Lüneburg und Nürnberg belohnt man das Kratzen an den richtigen Gepäckstücken über den Spieltrieb. „Deshalb präparieren wir auch immer Test-Koffer mit kleinen Drogenmengen, wenn eine Maschine sauber ist“, so Kienzelmann. So sei gewährleistet, dass der Spieltrieb auf Dauer nicht nachlasse. Von dem Procedere bekommen die Passagiere nichts mit, doch könnte ihnen Sally auch auf der Heimfahrt von Holland begegnen: „Je nach Einsatzlage der Zollfahndung helfen wir auch bei PKWs oder Wohnungen aus“, berichtet Kienzelmann. Es sei ein Märchen, dass man Dope zum Beispiel in einer Kaffeedose vor der Hundenase verstecken könne. „Beim letzten Summer-Jam hatten Kiffer ihr Zeug in einem Nutella-Glas versteckt, aber den typischen Gras-Geruch können unsere Hunde leicht herausfiltern.“
 

Therapiehund Mika



Auch Therapiehund Mika (4) weiß natürlich längst, was sich in der kleinen Stoffraupe vor seiner Nase befindet, wartet aber geduldig, bis die Bewohnerin des CMS-Pflegewohnstifts vorsichtig die kleinen Taschen mit den Leckerlis aufgeknüpft hat. Frauchen Susann Leumer besucht die Einrichtung neben Schulen und Kindergärten regelmäßig mit ihren Australien Shepherds. „Nicht nur werden dadurch Bewohner, motiviert, die früher selbst einen Hund hatten“, erklärt die examinierte Ergotherapeutin, „auch fördert die Anwesenheit eines Tieres die Kommunikation unter den Bewohnern.“ Aufgrund seines ruhigen Gemüts wird Mika auch bei Angst-Klienten eingesetzt, etwa wenn Menschen bereits beim Betrachten eines Films mit bellenden Hunden Panik verspüren. „Man arbeitet sich in solchen Fällen schrittweise vor: Bilder von Hunden, Hund vorm Fenster, Hund angeleint im selben Raum – die Krönung ist dann, wenn die Menschen sich trauen, ein Leckerchen aus der Hand zu geben“, so Leumer. Generell könne jeder Hund mit einer guten Bindung an sein Herrchen Therapiehund werden, denn der Beruf sei nicht durch feste Auflagen geschützt.
 

Blindenhund Paul



Ganz anders der Job von Schäferhundrüde Paul (9): Der nach strengen Vorgaben ausgebildete Blindenhund ist der Malocher unter den Diensthunden. Von morgens bis abends leitet er sein Frauchen sicher durch den Straßenverkehr. Wäre er nur kurz unaufmerksam, könnte der kleinste Fehler folgenschwer enden. „Er denkt schon für mich mit“, erklärt Besitzerin Marisa Sommer, aufgrund einer Krankheit späterblindet und dank ihres Gefährten nie mit Stock unterwegs. So umsteuert Paul zielsicher Äste, die weit über seiner Körpergröße auf den Bürgersteig ragen, oder dreht mit „intelligentem Ungehorsam“ die Schnauze nach innen, als er die Straßenseite wechseln soll, dabei aber erkennt, dass gegenüber ein Transporter den Fußweg versperrt. Mehrere Dutzend Hörzeichen wie „Such Tür“ oder „Zeig Bank“ beherrscht Paul durch seine Ausbildung in der Dresdener Blindenführhundschule Carolus, unglaubliche 241 Nahziele hat er in Köln gelernt: „Ich muss ihm nur die Post, den Park oder den Hähnchenmann nennen, und sofort ist Zug auf dem Bügel“, lacht Sommer. Doch eine Bitte hat sie: Ist ein Blindenhund im weißen Geschirr, soll man ihn nicht locken, ansprechen oder streicheln, weil die Ablenkung kann den Halter in Gefahr bringen.


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Text: Christoph Hardt
Fotos: 
Christoph Hardt
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